Nächster Fußballfeiertag in der osnatel ARENA! Am Mittwoch empfängt
der VfL Osnabrück im letzten Viertelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs den
FC Schalke 04. Der Sieger der Partie spielt in der Runde der letzten
vier um den Einzug ins große Finale, das am 15. Mai 2010 im Berliner
Olympiastadion ausgetragen wird.
Das
Stadion ist seit drei Monaten ausverkauft, das ZDF überträgt die Partie
live zur besten Sendezeit. Für ein Millionenpublikum ist also gesorgt,
und Brisanz steckt ohnehin in dem Duell zweier Traditionsvereine, die
sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht oft, aber immer wieder
begegneten. Vor 20 Jahren standen sich Lila-Weiß und Königsblau in der
ersten Runde des DFB-Pokals gegenüber. Seinerzeit gewann der VfL 3:1
nach Verlängerung und revanchierte sich so für die Pokalniederlage aus
der Saison 1979/80. Vor nunmehr 30 Jahren hatten die Schalker das
Achtelfinale im eigenen Stadion mit 2:0 für sich entschieden.
Auch
in den zehn Zweitligapartien, die zwischen 1981 und 1991 ausgetragen
wurden, spielten beide Mannschaften zumeist auf Augenhöhe. Osnabrücker
und Gelsenkirchener feierten jeweils vier Siege, zwei Spiele endeten
unentschieden.
Doch Anfang der 90er Jahre trennten sich die
Wege. Während der VfL zwischen Zweit- und Drittklassigkeit hin- und
herpendelte, stieg Schalke 04 in die 1. Liga auf, gewann UEFA-Cup
(1997) und DFB-Pokal (2001 und 2002) und wurde nach dem denkwürdigen
Saisonfinale 2000/01 immerhin "Meister der Herzen". Doch mit den
sportlichen Erfolgen stiegen auch die Ansprüche, denen nach
Trainerlegende Huub Stevens (1996-2002) bis dato kein Übungsleiter mehr
gerecht werden konnte. Unter Frank Neubarth, Marc Wilmots, Jupp
Heynckes, Ralf Rangnick, Mirko Slomka, Fred Rutten oder dem
"Triumvirat" Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck blieben die
Knappen immer wieder hinter den Erwartungen zurück. Der Gewinn der
ersten Deutschen Meisterschaft seit 1958 glückte dem mittlerweile hoch
bezahlten Starensemble, das mit der Veltins-Arena eines der schönsten
Stadien der Republik bekam, ebenso wenig wie die regelmäßige
Qualifikation für die lukrative Champions League. Dafür stiegen die
Verbindlichkeiten des Klubs - nach Branchenschätzungen auf den
Rekordwert von 250 Millionen Euro.
Trotzdem hielt
Geschäftsführer Peter Peters noch im Sommer dieses Jahres nichts davon,
Fußballvereine durch öffentliche Gelder zu konsolidieren. "Immer dann,
wenn öffentliche Mittel eingreifen, verzerrt das den Wettbewerb",
erklärte Peters und bemängelte außerdem, "dass unternehmerische
Fehlentscheidungen der Vereine durch eine Reduzierung der Stadionmieten
oder die kostenlose Bereitstellung von Infrastruktur aufgefangen
werden." Drei Monate später brauchten die Schalker dann selbst
öffentliche Gelder, um einen finanziellen Kollaps abzuwenden. Die
Gesellschaft für Energie und Wirtschaft, eine 100-prozentige Tochter
der Stadt Gelsenkirchen, erwarb für 15 Millionen Euro Anteile an der
Stadionbesitzgesellschaft des FC, der außerdem ein Darlehen von 10,5
Millionen bekam.
Seitdem diskutieren Befürworter und Kritiker des
Millionendeals über die Frage, ob hier eine restlos überschuldete
Kommune ihre wohlhabendsten Bürger subventioniert - oder ob Schalke für
Gelsenkirchen so "systemrelevant" ist wie die angeschlagenen Banken für
das deutsche Wirtschaftssystem. Und (nicht nur) die "Financial Times"
neigt - mit einigem Bauchgrimmen - zur zweiten Antwort: "Fußball ist in
Gelsenkirchen noch bedeutsamer als anderswo, der FC Schalke gehört zu
den wichtigsten Arbeitgebern der verarmten Stadt, er ist der leuchtende
Mittelpunkt des Lebens vieler Menschen dort."
Das Hauptaugenmerk
des Erfolgstrainers Felix Magath, der im Sommer als Deutscher Meister
vom VfL Wolfsburg nach Gelsenkirchen wechselte, gilt gleichwohl dem
sportlichen Bereich und hier deutet vieles auf eine positive Zukunft
hin. Nach der überzeugenden Hinrunde, in der Magath ohne neue
Superstars auskam und stattdessen Nobodys wie Lukas Schmitz, Joel Matip
oder Christoph Moritz zu hoffnungsvollen Bundesligaspielern
entwickelte, rangierte Schalke auf dem zweiten Tabellenplatz. In den
drei Spielen nach der Winterpause gegen Bochum (2:2), Hoffenheim (2:0)
und Freiburg (0:0) blieb Magaths Team ebenfalls ungeschlagen, ließ aber
auch den einen oder anderen Punkt liegen. Derzeit steht der Klub auf
dem 3. Tabellenplatz.
Auch im Pokal kamen die Schalker bislang
gut zurecht. In Runde eins hatte NRW-Ligist Germania Windeck
erwartungsgemäß das Nachsehen (0:4), und der VfL Bochum (0:3) und 1860
München (0:3) konnten dem FC ebenfalls wenig entgegensetzen.
Vor
dem Spiel gegen den VfL Osnabrück scheinen die Rollen also klar
verteilt, aber das waren sie - zu Ungunsten der Lila-Weißen - auch vor
den Pokalspielen gegen Hansa Rostock, den Hamburger SV und Borussia
Dortmund ...