Nächster VfB-Star ist weg: Khedira geht zu Real Stuttgart - Nur drei Tage nach seiner Rückkehr zum
VfB Stuttgart muss der neue Sportdirektor Fredi Bobic bereits seinen besten Spieler hergeben. Und selbst die 14 Millionen Euro Ablöse von
Real Madrid für Nationalspieler Sami Khedira können die Schwaben nur zum Teil trösten.Nach der sportärztlichen Untersuchung soll der zentrale
Mittelfeldspieler beim spanischen Fußball-Rekordmeister laut
Medienberichten einen Vertrag bis 2015 unterschreiben. Nach Mario Gomez
(FC Bayern München) verliert der VfB innerhalb von nur zwölf Monaten
bereits sein zweites hochbegabtes Eigengewächs.
«Einen absoluten Führungsspieler und eine Identifikationsfigur wie Sami
Khedira lässt man nur ungern ziehen», erklärte Bobic denn auch. «Aber
auf der anderen Seite können wir den Wunsch von Sami nachvollziehen, bei
Real an seiner weiteren Karriere zu arbeiten.» Erst kurz zuvor war der
frühere VfB-Torjäger Bobic in der alten Heimat als Manager eingestiegen,
nachdem er zuvor als Geschäftsführer für den bulgarischen Club
Chernomorets Burgas gearbeitet hatte.
Der Transfer von Khedira sagt auch einiges über die neue Qualität der
deutschen Nationalmannschaft aus. Nach Jerome Boateng (Manchester City)
ist Khedira der zweite deutsche WM-Teilnehmer, der in der kommenden
Saison bei einem ausländischen Topclub unter Vertrag steht. Bei den
«Königlichen» wird der technisch starke, aber auch verletzungsanfällige
Profi unter dem portugiesischen Startrainer José Mourinho und an der
Seite von Weltstars wie Kaká oder Cristiano Ronaldo und Xabi Alonso
spielen. Der Deutsch-Tunesier hatte mit seinen Auftritten bei der WM in
Südafrika auch Mourinho beeindruckt. Dort war Khedira im zentralen Mittelfeld als
Ersatz für den verletzten Michael Ballack eine der tragenden Säulen
beim WM-Dritten.
Sein Bundesliga-Debüt beim VfB gab er im Oktober 2006 als 19-Jähriger
unter Trainer Armin Veh. Mit ihm feierte er rund sieben Monate später
auch die deutsche Meisterschaft. Im entscheidenden letzten Saisonspiel
markierte er per Kopf das 2:1-Siegtor gegen Energie
Cottbus. Zudem hat er Champions-League-Erfahrung.
So schwer der Verlust für die Stuttgarter und ihren Trainer Christian
Gross wiegt: Er eröffnet ihnen auch neue Perspektiven bei möglichen
Neuzugängen für die in drei Wochen beginnende Saison. Gross sieht vor
allem auf den offensiven Außenbahnen seines Teams dringenden
Handlungsbedarf. Das zeigte auch das Hinrunden-Spiel in der dritten
Qualifikations-Runde zur Europa League bei
Molde FK.
Zwar gewann der VfB beim norwegischen Vize-Meister mit 3:2. Damit kann
er vor dem Rückspiel schon fast für die Playoffs des Wettbewerbs planen,
in denen dann der Einzug in die Gruppenphase geschafft werden soll.
Doch neben einigen Unsicherheiten in der «Not-Abwehr» (Gross), in denen
die WM-Urlauber Serdar Tasci und Khalid Boulahrouz sowie Kapitän
Matthieu Delpierre (Reha) fehlten, boten auch Timo Gebhart und Sebastian
Rudy auf der linken und rechten Mittelfeldseite nur durchwachsene
Vorstellungen.
Für diese Position steht der ghanaische WM-Teilnehmer André Ayew von Olympique
Marseille auf dem Stuttgarter Wunschzettel. Für hinten rechts soll der Schweizer Philipp Degen vom
FC Liverpool ausgeliehen werden. «Wir haben verschiedene Spieler auf der Liste, auch
solche, die in der Öffentlichkeit noch nicht genannt wurden», erklärte
Bobic nun. Für Khedira hat der VfB in Christian Träsch, Christian
Gentner und Zdravko Kuzmanovic übrigens Ersatz in den eigenen Reihen.
Zunächst begab sich der VfB-Kader von
Norwegen aus direkt in sein drittes Trainingslager in Friedrichsruhe bei
Heilbronn. Dort wird neben Tasci und Boulahrouz auch Stürmer Cacau, ein
weiterer WM-Teilnehmer, nach dem Urlaub wieder dazustoßen.